Kleine Schritte sind besser als keine Schritte

In meinem Lieblingsnetzwerk Texttreff gibt es eine schöne Tradition: das Blogwichteln. Da ich nun ja selbst seit einiger Zeit selbst einen eigenen Blog habe, konnte ich nun endlich dabei sein. Beim Blogwichteln beschenken sich Bloggerinnen  gegenseitig mit Texten. Die Wichtelfee hat mir die Texterin und Rumreiserin Annette Lindstädt zugelost. Annette ist  unter ihrer beruflichen Domain Worthauerei im Internet zu finden und ganz bewegt in ihrem Blog Rumreiserei. Hier schreibt sie, wie sie mein Blog zum Nachdenken und Umdenken bewegt hat.

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Vom guten Willen und den alltäglichen Beschränkungen

Puh! habe ich gedacht, als die Glücksfee der Texttreff-Blogwichtelaktion mir das Blog meiner Kollegin Sylvia Schaab zuloste: Schon beim Querlesen ihres Blogs http://www.gruenerwirdsnimmer.de packte mich das schlechte Gewissen. Im Geiste sah ich mich Berge von Lebensmitteln in Plastikverpackungen nach Hause karren. Sah die Getränke in Plastikflaschen, das eingeschweißte Biogemüse und die Frischhaltefolie über den Resten in meinem Kühlschrank. Dachte an die Kapselkaffeemaschine, das Mamataxi zur Schule und fühlte mich wie eine Umweltsau der schlimmsten Sorte. Daher war ich auch regelrecht blockiert und wusste sehr lange nicht, was ich schreiben sollte. Konnten doch meine ärmlichen Bemühungen nur kümmerlich wirken angesichts des Grads an Plastikreduktion, den Sylvia schon realisiert hat und vor dem ich alle Hüte ziehe, die ich besitze (sind ein paar).

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Dann fielen mir die ganzen Negativ-Beispiele ein, sozusagen als Vorwärtsverteidigung, um zu zeigen, dass mein Verhalten ja nicht soooo schlimm ist. Zum Beispiel, dass es in den USA total normal ist, das Hotelfrühstück auf Wegwerfgeschirr serviert zu bekommen. Das hat mich 2014 bei unserer Südstaaten-Reise wirklich geschockt. Ich habe gar nicht erst versucht, hochzurechnen, was das tagtäglich an Müllbergen produziert. Grauenvoll. In Neuseeland sorgte ich an der Supermarktkasse für Erstaunen, wenn ich dort mit meinem großen Rucksack und mitgebrachten Beuteln auflief, anstatt alles in diese dünnen Plastiktüten packen zu lassen, die es dort (natürlich umsonst) gibt. Weil sie so dünn sind und leicht reißen, braucht man pro Einkauf mindestens fünf Stück davon. Und aus dem gleichen Grund kann man sie auch kaum wiederverwerten. Total bescheuert.

„woanders ist es ja noch viel schlimmer mit dem Plastik“

Doch einen Beitrag á la „woanders ist es ja noch viel schlimmer mit dem Plastik“ wollte ich dann auch nicht schreiben. Daraufhin habe ich gemerkt, wie allein die Tatsache etwas verändert hat, dass ich in Sylvias Blog gelesen habe und seit Wochen (Weihnachten ist ja inzwischen schon ein bisschen her) im Hinterkopf habe, dass ich mich mit dem Thema befassen sollte. Schon das Bewusst-Machen des alltäglichen Plastikwahnsinns hat also Konsequenzen. Und ich finde, dass ich immerhin ein paar wenige Sachen schon ganz okay mache:

Bereits seit Längerem benutze ich möglichst diese äußerst praktischen und nebenbei noch fair produzierten Stofftaschen, die es bei dm mal für eine Weile gab und von denen ich mindestens zehn Stück in allen Regenbogenfarben besitze. Die habe ich strategisch auf diverse Handtaschen verteilt, und seit dem Erstkontakt mit http://www.gruenerwirdsnimmer.de tue ich das noch ein bisschen konsequenter. Die letzte Wasserlieferung habe ich endlich in Glas- statt in Plastikflaschen bestellt und Angebrochenes bewahre ich jetzt eher in Frischhaltedosen auf, anstatt Folie drüberzuziehen. Natürlich sind das keine Heldentaten, aber irgendwo muss ich ja anfangen. Ja, die Frischhaltedosen sind aus Plastik, aber soll ich die jetzt alle gleich wegwerfen? Wäre ja auch Plastikmüll.

Biogemüse nur in Plastik

Was ich wirklich schwierig finde, ist das Thema Biogemüse und -obst. Ich habe in meinen angestammten Einkaufstempeln (Supermarkt, Bioladen, Gemüsehändler etc.) im Grunde nur die Wahl zwischen unverpacktem, aber konventionellem Obst und Gemüse oder Biowaren, die aber zu geschätzt zwei Dritteln in Plastik verpackt sind. Bestimmt könnte ich andere Bezugsquellen auftun, auf Märkte und direkt zu Erzeugern fahren. Aber wie bringe ich das mit meinem Alltag und ständig knapper Zeit in Einklang? Ich bin bereit, Gewohnheiten zu ändern – aber schon der Anspruch, möglichst frisch und gesund zu kochen, kostet so viel mehr Zeit, als ich eigentlich habe. Und wenn ich mir vorstelle, ich sollte wirklich alles, was in unserem Haushalt aus Plastik ist, durch andere Materialien ersetzen, fühle ich mich hilflos und überfordert. Aber ich werde in Zukunft bei jedem Plastikteil, das kaputtgeht, überlegen, ob es nicht eine Alternative gibt.

Komplett plastikfrei zu leben – das halte ich für mich und meine Familie für schwer realisierbar. Doch wenn man immer den Maximalanspruch vor Augen hat, kann das ja nur frustrierend sein. Kleine Schritte in die richtige Richtung – die sind machbar. Daher werde ich hier immer mal wieder vorbeilesen, mich informieren und anregen lassen. Und in kleinen Schritten den Plastikverbrauch reduzieren. Danke für den Anstoß und das Vorbild-Sein, Sylvia!
140524_Annette_webAnnette Lindstädt ist Texterin (www.worthauerei.de) und schreibt nebenher in ihrem Reiseblog www.rumreiserei.de über ihre Reisen nach Nah und Fern: Heidelberg–Neuseeland und dazwischen.

 

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2 Gedanken zu „Kleine Schritte sind besser als keine Schritte

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